Mittwoch, 6. Februar 2013

Nachwuchssorgen

Hallo zusammen.

Zurecht fragen sich viele Beobachter der Cyclocross Szene in einigen Ländern wie es in den kommenden Jahren in Sachen Nachwuchs weiter gehen soll?

Sieht man sich in den Nachwuchskategorien der unter 17 und der unter 19 jährigen um, dann stellt man rasch fest das hier einiges in eine katastrophale Schieflage geraten ist.Gerade einmal um ,oder knapp über zwanzig Starter bei einer nationalen Meisterschaft in Deutschland macht erschreckend klar das hier dringendst ein tragfähiges Konzept her muss , soll der Sport auf längere Sicht gesehen nicht ausbluten. Derzeit ist er auf dem besten Weg dorthin. Die berechtigte Frage ist wie das überhaupt passieren konnte das die Zahl der Cyclocross Sport treibenden Jugendlichen so zurück gehen konnte. Hat man doch gerade im U19 Bereich derzeit geburtenstarke Jahrgänge. Groteskerweise nehmen auf der anderen Seite der Altersskalierung die Starterzahlen mittlerweile Ausmaße an die genau so zum nachdenken anregen sollten. Bedenkt man das ein Großteil der jetzigen noch Masters 2 Klasse in Kürze in der Masters 3 , also der über 50 jährigen ,zu finden ist, sollte das wirklich Anlass geben den gesamten Sportbetrieb einmal sachlich zu reflektieren. Und zwar ohne , in meinen Augen , geschönte Zahlen aus den Verbandszentralen. Den statistische Zahlen und reale Wirklichkeit klaffen immens weit auseinander!

Einige fordern jetzt mehr deutsche Meisterschaften im Schüler Bereich. Aber kann das wirklich die Lösung sein? Glaubt man wirklich wenn man meht nationale Meisterehren vergibt das dadurch automatisch die Starterzahlen zu nehmen würden? Ich sehe das anders. In meinen Augen sind nationale Meisterschaften unterhalb der U17 Kategorie sogar kontraproduktiv. Man muss sich ja nur einmal vor Augen führen wie viele nationale Meister unterhalb der U19 auch später noch in den Ergebnislisten zu finden sind. Ausnahmen bstätigen die Regel. Das Gros bleibt aber auf der Strecke. Und das muss ja nicht nur lebensumständliche Gründe haben. In all den Jahren in denen ich im Sport bin habe ich noch nirgends ein tragfähiges Konzept zur Jugend gesehen was den Crosssport anbelangt. Der Cyclocross Bereich läuft immer nur so irgendwie mit. Im Oktober wird dann eben der Hebel umgelegt. Wenn die Strassensaison zu Ende ist und man "Leerlaufzeit" hat, über den Winter, versucht man dann auf Cyclocross zu machen. Das mag auch in der Vergangenheit durchaus funktioniert haben. Aber seit nicht wenigen Jahren ist es offensichtlich das der Cyclocrosssport sich derart spezialisiert hat , dass diese Denk und Handlungsweise zu den Akten gelegt gehört! Ich stelle an der Stelle auch mal die Frage in den Raum warum man nicht bei europäischen Verbänden mit offensichtlich sehr erfolgreicher Nachwuchsarbeit einmal genauer anschaut was die machen. Sieht man das Verhältnis von Größe des Verbandes und Lizenzinhabern im Verhältnis zu Deutschland ,ist ja selbst das "kleine" Luxembourg erfolgreicher in seiner Nachwuchsarbeit. Die Starterzahlen der nationalen Meisterschaft 2013 unterlegen diese These. Da spreche ich nicht einmal von Frankreich , oder noch krasser Belgien , dass sowieso außen vor ist. Dort teilt man sogar die U17 Kategorie in erstes und zweites Jahr auf um die Starterzahlen im Griff zu halten. Aber auch um einen besseren Überblick in der Entwicklung der jungen Sportler zu haben. Heißt Meistertitel separat für 1. und 2. Jahr. Mit langfristigem Blick auf die Entwicklung des Sportlers.

Die Niederländer muss man hier noch mit anführen. Die hatten auch bis vor 3-4 Jahren eine ziemliche Durststrecke zu überwinden. Aber schaut man jetzt hin und sieht deren Dominanz bei Weltcups und Weltmeisterschaften in den vergangenen zwei bis drei Jahren ,kommt man nicht umhin zugeben zu müssen, dass man dort offensichtlich excellente Arbeit macht. Nicht zuletzt deswegen weil auch dort der Verband mit einstigen Top Rennfahrern im Cross arbeitet. Und diese Arbeit trägt Früchte !

Also was läut schief in Deutschland ?

Man leistet sich eine "nationale" Rennserie wie kein anderes Land. Nur was nutzt eine Rennserie dieser Ausmaße , wenn ich vergessen habe einen Unterbau dafür zu schaffen damit dort auch genügend Sportler am Start stehen ? Jeder Hausbauer fängt ja auch nicht beim Dach an. Ideen sind gefragt. Und auch ein Umdenken. Und das wäre für mich erst einmal zu erkennen und anzuerkennen welche Chancen der Cyclocrosssport überhaupt bietet. Das Potenzial liegt hier eindeutig um ein vielfaches höher als es zum Beispiel im Bahnradsport der Fall ist. Diese Diziplin wird , das kann keiner wirklich abstreiten, doch mittlerweile nur noch "künstlich beatmet" weil der Bahnbereich zu den olympischen Diziplinen gehört. Ich will damit keinesfalls diesen Sport abgeschafft wissen. Aber ich würde mir wünschen das finanzielle Mittel zum Beispiel etwas "gerechter" verteilt würden. In etwa so , wie die einzelnen Diziplinen auch in der Breite ausgeübt werden. Konkret zum Beispiel Geld in Nachwuchsprogramme im Bereich Cyclocross die tragfähig sind "umgeleitet" werden. Aber es ist nicht nur mit Geld getan. Grundsätzlich muss auch ein Umdenken her mit welchen Leuten man in Zukunft den Crosssport betreuen will. Hier spreche ich dann die Trainerfrage auf BDR , aber auch auf Landesverbandsebene an. Solange es Trainer gibt die, weil sie selbst mit Cyclocross nichts anfangen können , wird sich nicht viel ändern. Ein wichtiger Punkt an dem gearbeitet werden sollte.

Mir ist bewußt das ich in meinem Blog Seiten lang schreiben und auf Schieflagen hin weisen kann bis zum Nimmerleinstag. Aber ich finde das es einfach mehr als höchste Zeit ist , dass man sich den Realitäten und auch Anforderungen stellen sollte und auch muss. Denn sonst besteht Cyclocross Rennsport in Deutschland bald nur noch aus den Kategorien der Älteren und Ältesten Klassen! Und das kann der Sinn des Ganzen ja nicht sein.

In dem Sinn.....alls wird gut ! Haltet durch !

5 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Sehr guter Beitrag Olli! Mir fehlt leider die Szenekenntnis um alles exakt nachvollziehen zu können, aber hast du auch ein paar konkrete Verbesserungsvorschläge? Bring dich ein und verändere etwas! Warum wirst du nicht Crosstrainer im Saarland...??

Stephan Sturm hat gesagt…

Hallo Olli, Du sprichst mir aus der Seele. Einen Beitrag mit ähnlichem Inhalt habe ich dieses Jahr für unsere Jahreshauptversammlung des Radsportverbandes Schleswig-Holstein geschrieben. Ich bin ja froh, dass die WB Cross zumindest schon einmal dahingehend geändert wurde, dass U11/U13 Fahrer auch starten können. Ich gebe Dir auch Recht, dass, solange der Crosssport nicht olympisch ist, er vom BDR äußerst stiefmütterlich behandelt wird. Hier im Norden haben wir das Glück, einige gute Crosstrainer in unseren Reihen zu haben. Aber auch die werden durch fehlende Unterstützung des großen Bruders aus Frankfurt ausgebremst.

Mit freundlichen Grüßen
Stephan Sturm
Rennsportfachwart des Landesverbandes Schleswig-Holstein

Oliver Corpus hat gesagt…

Ich bin kein Trainer. Das mal vorweg. Ich habe Erfahrung im Cyclocross Bereich.Ja. Nur heutzutage musst du für allen und jeden Quatsch einen Schein haben. Und da sind wir bei einem Dilemma das ich ja schon beschrieb. Leute die einen Schein haben, aber eben von der Diziplin keine Ahnung. Da beißt die Katze sich in den Schwanz. Konrete Vorschläge ...? Da msste zu aller erst einmal der BDR bereit sein mehrere Leute an den Tisch zu holen , die einen "Katalog" ausarbeiten und richtiges Brainstorming betreiben. Nur so kann das was werden. Nur ist die Frage ob das überhaupt gewollt ist? Da wird wohl weiter lieber im stillen Kämmerlein wieder irgend etwas hin gedocktert und dann der breiteren Masse vorgesetzt. Wie schon gesagt, kann ich momentan nur schreiben und auf Dinge hinweisen die ich für nicht wirklich gut laufend finde. Das müsste aber in breiterer Masse aufgegriffen werden und auch vehementer gegenüber den Entscheidungsträgern des BDR vertreten werden. Ein weiteres Dilemma in dieser Geschichte. Es wird viel zu viel rum geredet. Passieren tut aber nicht wirklich etwas. Ich , der offen im Net schreibt, bin daher ja nicht selte genug am Ende noch der Buhmann ;-) Groteskerweise.............

Anonym hat gesagt…

Auch wenn der Vergleich etwas hinkt, vor Jahren haben die MTBler den DIMB gegründet (wenn auch mit anderer Zielsetzung). Vielleicht wäre es an der Zeit über die Gründung der DICX (Deutsche Initiative Cyclocross) nach zu denken :-)
Also einen Lobbyverein aus, Sportlern, Vereinen im CX, Einzel-interessierten, eine Signalwirkung mit "Druck" auf den BDR, und vielleicht Möglichkeiten den Sport in der Öffentlichkeit zu Promoten und ev. Hilfen in den Regionen zu geben wo Verbände oder Vereine "versagen".

Oliver Corpus hat gesagt…

Könnte eine Idee sein. Man sollte sich aber davon nicht zuviel erwarten gegenüber dem BDR. Ich bin da etwas zurückhaltend was einen Erfolg anbelangen könnte. Problem bei Verbänden ist jahalt der Fakt das alles was vonn außerhalb kommt nie gerne angenommen wird und quasi eine Sturhaltung eingenommen wird. Beispiel D-Cup. Das diese Geschichte nicht daswahre ist und völlig "außer Kontrolle" geraten ist, weiß man auch bei den Entscheidungsträgern des BDR. Da bin ich sicher. Aber da gehts nur noch nach dem Motto "Augen zu und durch" und "ich lasse mir mein schönes Gebilde nicht kaputt reden" ;-) So sieht das leider aus. In allen möglichen Bereichen. Aber ein Versuch wäre so etwas zumindest wert wie solch eine Iniatitive.